{"id":1193,"date":"2020-11-24T16:49:42","date_gmt":"2020-11-24T15:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1193"},"modified":"2021-05-04T08:07:10","modified_gmt":"2021-05-04T06:07:10","slug":"laudatio-querverlag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1193","title":{"rendered":"Laudatio Querverlag"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:4%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:92%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1025\" height=\"540\" src=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1251\" srcset=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag.png 1025w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-300x158.png 300w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-768x405.png 768w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-200x105.png 200w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-400x211.png 400w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-600x316.png 600w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/laudatio-querverlag-800x421.png 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1025px) 100vw, 1025px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Querverlag<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Von Kristine Listau, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2020<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor 25 Jahren haben Jim Baker und Ilona Bubeck den ersten schwul-lesbischen Verlag Deutschlands gegr\u00fcndet und ihn Querverlag genannt. Es ist bis heute ein einzigartiges Unterfangen in der deutschsprachigen Verlagsgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Verlag \u00fcberhaupt zu gr\u00fcnden, ist zumeist ein mutiger, um nicht zu sagen ein waghalsiger Schritt. Es ist nicht leicht, die eigene Leidenschaft f\u00fcr B\u00fccher, sei es f\u00fcr Literatur oder f\u00fcr gesellschaftsrelevante Themen, auch in wirtschaftlichen Erfolg zu verwandeln. Dies wird auch nicht einfacher, wenn ein Verlag sich gegen den Mainstream entscheidet, sich explizit daf\u00fcr entscheidet, B\u00fccher aus der schwul-lesbischen Community zu ver\u00f6ffentlichen. Dass es den Querverlag nach wie vor gibt, grenzt jedoch nicht an ein Wunder, sondern beweist, dass Idealismus, Sehnsucht nach anderer Perspektive und politische Notwendigkeit zielf\u00fchrend sein k\u00f6nnen. Der Verlag verdankt es aber insbesondere dem Wissen der beiden Verleger_innen, ihrem guten Instinkt f\u00fcr Texte und Autor_innen, ihrer Disziplin (wahrscheinlich bis hin zur Selbstausbeutung) und auch ihrem H\u00e4ndchen f\u00fcrs Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Auszeichnung des Querverlags mit dem Berliner Verlagspreis feiert Berlin also Jim Baker und Ilona Bubeck, ihre damalige Entscheidung, ihr unerm\u00fcdliches Tun sowie ihre Autor*innen und B\u00fccher, denn sie bereichern unsere Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es in ihrer Bewerbung f\u00fcr den Preis hei\u00dft, war es von Anfang an Ziel des Verlags, anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer Literatur mit schwulen und\/oder lesbischen Inhalten eine Heimat und einen Platz zu bieten. Dies ist ihnen mehr als gelungen, befanden wir in der Jury.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vielfalt des Querverlag-Programms ist enorm, ver\u00f6ffentlicht werden Romane, Krimis und Sachb\u00fccher, aber auch politische, aktivistische sowie akademische Arbeiten von, f\u00fcr und \u00fcber Menschen jenseits des heteronormativen Mainstreams.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr breite Aufmerksamkeit hat der Verlag mit ihrer sogenannten \u00bbKreischreihe\u00ab auch au\u00dferhalb der LGBTIQ-Szene gesorgt: Anthologien wie \u00bbFreiheit ist keine Metapher \u2013 Antisemitismus, Migration, Rassismus, Religionskritik\u00ab, \u00bbBei\u00dfreflexe \u2013 Kritik an queerem Aktivismus, autorit\u00e4ren Sehns\u00fcchten, Sprechverboten\u00ab sowie \u00bbFeministisch streiten \u2013 Texte zur Vernunft und Leidenschaft unter Frauen\u00ab l\u00f6sten vielfach Diskussionen und Sensibilisierung f\u00fcr wichtige Themen unserer Zeit aus. Dies macht einen guten Verlag aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran erkennt man einen guten Verlag noch?<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa an der Treue der Autor_innen. So hat die Berliner Autorin Karen-Susan Fessel, die im Februar 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande f\u00fcr ihre literarischen und sozialen Verdienste ausgezeichnet wurde, dieses Jahr mit \u00bbIn die Welt\u00ab ihren vierzehnten Roman im Querverlag ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder daran, dass der Verlag sich auch nicht davor scheut, junge Autor*innen zu entdecken und zu f\u00f6rdern. Als Beispiel sei hier der Berliner Autor Dennis Stephan genannt, der mit seinem Roman \u00bbUnd in mir ein Ozean\u00ab auf der Liste der Nominierungen f\u00fcr den Hotlist-Preis der unabh\u00e4ngigen Verlage 2019 stand. Und ich pers\u00f6nlich freue mich schon sehr auf den Deb\u00fctroman \u00bbFromme W\u00f6lfe\u00ab von Kevin Junk, der im Fr\u00fchjahr 2021 erscheinen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erkennt man einen guten Verlag, dass dieser aktuelle, zeitdiagnostische Sachverhalte zu erkennen vermag. Der Sachbuchbereich umfasst Ratgeber und Nachschlagewerke bis hin zu wissenschaftlicher Grundlagenliteratur. Patrick Henzes \u00bbSchwule Emanzipation und ihre Konflikte. Zur westdeutschen Schwulenbewegung der 1970er Jahre\u00ab ist ein spannendes Beispiel. Hier ist auch unbedingt die erste Dokumentation internationaler Wissenschaftler_innen zur Aufarbeitung der Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz unter dem Titel \u00bbErinnern in Auschwitz \u2013 auch an sexuelle Minderheiten\u00ab zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jury des diesj\u00e4hrigen Berliner Verlagspreises ist es ein Anliegen und eine gro\u00dfe Freude, diesen wunderbaren, f\u00fcr Berlin und weit dar\u00fcber hinaus wichtigen Verlag sowie seine charismatischen Verleger_innen Jim Baker und Ilona Bubeck zu ehren. Wir gratulieren ganz herzlich!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Laudatio wurde am 24. November 2020 live auf dem digitalen Empfang im Anschluss an die Verleihung des Berliner Verlagspreises vorgetragen. Foto der Preistr\u00e4ger: Tim Holland<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:4%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laudatio auf den Querverlag Von Kristine Listau, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2020 Vor 25 Jahren haben Jim Baker und Ilona Bubeck den ersten schwul-lesbischen Verlag Deutschlands gegr\u00fcndet und ihn Querverlag genannt. Es ist bis heute ein einzigartiges Unterfangen in der deutschsprachigen Verlagsgeschichte. 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