{"id":1740,"date":"2021-11-08T10:21:05","date_gmt":"2021-11-08T09:21:05","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1740"},"modified":"2021-11-08T10:27:24","modified_gmt":"2021-11-08T09:27:24","slug":"laudatio-secession-verlag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1740","title":{"rendered":"Laudatio Secession Verlag"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:2%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:96%\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Secession Verlag<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Von Cornelia Gei\u00dfler, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der Kulturgeschichte Berlins hat der Name Secession einen guten Klang, denn er verbindet sich mit einem Maler wie Max Liebermann, mit der Grafikerin und Bildhauerin K\u00e4the Kollwitz. Doch soll hier nicht von den Bildenden K\u00fcnstlern die Rede sein, die sich um 1900 von ihren alten Kreisen abspalteten und einen eigenen Club gr\u00fcndeten. Es geht der Jury um einen Verlag, in Z\u00fcrich geboren, nach Berlin erweitert, seit 2018 in Berlin zu Hause, der zwar sein spezielles Programm verfolgt, bei dem die Spaltung aber nur die eigenen Buchstabenk\u00f6pfe trifft: Einmal glatt abgeschnitten und unten wieder angesetzt erscheint der Name Secession in den Verlagsprospekten und auf dem fliegenden Blatt des Vorsatzbogens.<\/p>\n\n\n\n<p>Da verlieren wir uns in buchgestalterische Details \u2013 aus gutem Grund. Solche Feinheiten geh\u00f6ren unbedingt dazu, wenn Christian Ruzicska und Joachim von Zepelin f\u00fcr ihre Arbeit zu w\u00fcrdigen sind. Der Gro\u00dfe Berliner Verlagspreis gilt einem ausgekl\u00fcgelten Spektrum deutscher und internationaler Literatur, in dem jedem einzelnen Titel die Liebe zum Objekt Buch anzusehen ist. Der farbige Vorsatzbogen, also das Blatt, das Buchdeckel und -block verbindet, tr\u00e4gt nicht nur den gekappten Verlagsnamen, sondern auch stets links einen extra Papierstreifen mit dem Klappentext. Und jedes Buch, ob in grobes Leinen gebunden wie Frank Steinhofers Deb\u00fct \u201eDas Terrain\u201c oder der in gepr\u00e4gte Pappe gepackte Roman \u00bbDenk an die Steine unter deinen F\u00fc\u00dfen\u00ab von Antoine Wauters, jedes Buch hat ein leserfreundliches Leseb\u00e4ndchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ausflug in die Geschichte ist nicht verkehrt, wenn man sich mit dem Programm von Secession besch\u00e4ftigt, erscheint hier doch die auf 15 B\u00e4nde angelegte \u00bbHandliche Bibliothek der Romantik\u00ab, im September 2020 furchtlos mit \u00bbGespenstern\u00ab begonnen. Eine andere Reihe ist den Femmes de Lettres, dichtenden Frauen fr\u00fcherer Jahrhunderte gewidmet, zum Beispiel mit Sibylla Schwarz, 1621 in Greifswald geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>In etlichen Ausgaben des Verlags spiegelt sich die fortwirkende Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zum Beispiel in dem Buch \u00bbDie Ged\u00e4chtnislosen\u00ab der Deutsch-Franz\u00f6sin G\u00e9raldine Schwarz, das darauf dr\u00e4ngt, auf die Verschiebung der Stimmungen zu achten. Oder, ganz anders, in Deborah Feldmanns \u00bbUnorthodox\u00ab, das auf Deutsch bei Secession herauskam, bevor Maria Schrader es in eine Serie verwandelte. Hervorzuheben ist auch ein besonderes, gro\u00dfes Projekt des kleinen Verlags: \u00bbLiebe Kitty\u00ab von Anne Frank, 2019 erschienen. Diesen Briefroman vom Leben im Versteck hatte Anne Frank selbst parallel zu ihrem eigentlichen Tagebuch bearbeitet. Die Germanistin Laureen Nussbaum, die einst in Amsterdam im selben Viertel wohnte wie Anne Frank und emigrieren konnte, hatte angeregt, diese Fassung extra zu publizieren. Und der Verlag verschaffte dem nicht nur eine sch\u00f6ne Gestalt, sondern auch eine gro\u00dfe B\u00fchne zur Buchpremiere im Berliner Ensemble. Eine Art Fortsetzung dazu erschien mit dem Band \u00bbNach dem Tagebuch\u00ab in diesem Jahr, einer akribischen Recherche \u00fcber das Schicksal der Familie Frank und der mit ihr im Hinterhaus Untergetauchten nach der Verhaftung am 4. August 1944.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIst das alles noch wirklich?\u00ab, fragten die Verleger im Vorspruch ihres Fr\u00fchjahrsprogramms 2021 angesichts der Corona-Pandemie, \u00bbm\u00fcssen wir f\u00fcrchten, dass die Wirklichkeit die Fiktion einholt?\u00ab Dazu stellten sie etwa Dulce Maria Cardosos Roman von der Flucht einer Siedlerfamilie aus Angola in die vermeintliche Heimat Portugal und Nils Tredes dystopischen Mittelmeer-Roman \u00bbRichtung S\u00fcden\u00ab \u2013 mit der Ank\u00fcndigung, beide Autoren w\u00fcrden zur Leipziger Buchmesse kommen. Die schlechte Pointe ist bekannt: Die Messe fiel aus.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihr 23. Programm sparten sich die Verleger die Vorrede. Es ging wieder aufw\u00e4rts. Wer im Oktober in Frankfurt am Main am Buchmesse-Stand von Secession vorbeikam, sah optimistische M\u00e4nner in Gespr\u00e4che vertieft. Und auf die Frage \u00bbWelches Buch soll ich in diesem Herbst unbedingt lesen?\u00ab gab es mindestens f\u00fcnf Antworten. Wir haben es ausprobiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfe Berliner Verlagspreis ehrt beharrliche Begeisterung f\u00fcr das Buch als Buch, f\u00fcr Dichtung und Erz\u00e4hlung, f\u00fcr den Wert der Geschichte und die Anstiftung zum Denken ohne Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, Christian Ruzicska und Joachim von Zepelin!<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:2%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laudatio auf den Secession Verlag Von Cornelia Gei\u00dfler, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2021 In der Kulturgeschichte Berlins hat der Name Secession einen guten Klang, denn er verbindet sich mit einem Maler wie Max Liebermann, mit der Grafikerin und Bildhauerin K\u00e4the Kollwitz. 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