{"id":1933,"date":"2022-11-14T11:19:13","date_gmt":"2022-11-14T10:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1933"},"modified":"2022-11-15T09:34:04","modified_gmt":"2022-11-15T08:34:04","slug":"laudatio-elfenbein-verlag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1933","title":{"rendered":"Laudatio Elfenbein Verlag"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><a href=\"http:\/\/www.berlinerverlagspreis.de#die-preistraeger\">\u2190 zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-1024x680.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1980\" srcset=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-300x199.jpeg 300w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-768x510.jpeg 768w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-1536x1020.jpeg 1536w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-18-2048x1359.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Christian Ruzicska (Secession Verlag) trug die Laudatio auf den Elfenbein Verlag vor \u00a9 Schirin Moaiyeri<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Elfenbein Verlag<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><em>Von Christian Ruzicska, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2022<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Nicht jeder Anfang beginnt mit dem Verkauf eines Autos, und nicht jede Reise nach Tschechien hat ihren Grund darin, eine g\u00fcnstige Druckerei finden zu wollen. Auch wenn es den Anschein haben k\u00f6nnte, damit sei unsere Gegenwart gemeint, befinden wir uns doch im Jahr 1996 und sind unterwegs mit zwei jungen, literaturbegeisterten Studenten nach Klatovy, wo die beiden Literaturwissenschaftler, die ihre ersten publizistischen Erfahrungen mit der Herausgabe der Heidelberger Literaturzeitschrift <em>metamorphosen<\/em> gemacht haben, sich als k\u00fchn genug erweisen, den Gedichtband \u00bbUnterhand\u00ab von Andreas Holschuh drucken zu lassen, in dem wir die heute dringlicher denn je klingenden Verse vorfinden:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>selbst der weltuntergang zieht sich hin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>sp\u00e4tmodern und infantil<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>es ist leicht hier sachwalter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>oder buchhalter der apokalypse zu sein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>man richtet sich ein allm\u00e4hliche h\u00f6lle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>sonne ein wenig beim schlie\u00dfen der lider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>alles in allem die verzweiflung spottet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>jeder beschreibung \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Dass sich diese Verzweiflung, die der damaligen Aids-Epidemie geschuldet war, heute wie ein Mahnruf aus der Vergangenheit an unsere von allen Seiten bedrohte Lebenswirklichkeit liest, stimmt nachdenklich und verweist auf die Strahlkraft dieser Lyrik, die selbst nach mehr als f\u00fcnfundzwanzig Jahren bis in unsere Zeit hinein das ausleuchtet, wovor wir \u2013 <strong>infantil<\/strong> \u2013unsere Augen nicht mehr verschlie\u00dfen <em>d\u00fcrfen<\/em>. Und ebenso strahlen, und mit aller Deutlichkeit, die beiden folgenden ph\u00e4nomenalen Zeilen aus dem fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhundert:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>denn in dieser Welt der T\u00e4uschung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>spricht die Wahrheit der, der l\u00fcgt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">des portugiesischen Dichters Ant\u00f3nio Botto, \u00fcber den Fernando Pessoa \u00e4u\u00dferte: <strong>Er besingt das Leben, doch so br\u00fcchig, dass er es mit den gleichen Worten, die er singt, verneint; was er in ihm an Sch\u00f6nem f\u00fchlt, ist das, was durch es verloren geht: seine fl\u00fcchtige und nichtige Zwecklosigkeit. F\u00fcr ihn f\u00e4llt die Sch\u00f6nheit des Regens zugleich auf das Feld des Gerechten wie auf das des Ungerechten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Damit sind grundlegende Begriffe angesprochen, die in den aktuellen Diskursen von anderen Themen allzu oft \u00fcbert\u00f6nt werden und drohen, aus dem Augenmerk zu fallen: Sch\u00f6nheit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Drei essenzielle Begriffe, die die fundamentalen und schwer zu fassenden S\u00e4ulen eines Kulturverst\u00e4ndnisses ausmachen, um die in aller Literatur, die ihre eigene Zeit \u00fcberdauert hat, gerungen wurde, und um die es stets zu ringen gilt, heute mehr denn je \u2013 mit jedem \u00f6ffentlichen Wort, gesprochen oder gedruckt. Es ist hier kein Raum, auf das komplizierte Verh\u00e4ltnis von Wahrheit und Sch\u00f6nheit einzugehen, aber ich m\u00f6chte doch kurz sagen: Unsere Welt k\u00f6nnte sehr sch\u00f6n sein \u2013 und zugleich fragen: Aber verhalten wir uns wahr genug zu ihren Bedingungen, um dieser Hoffnung auf Sch\u00f6nheit gerecht zu werden?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">In den Anf\u00e4ngen des Elfenbein Verlags leuchten die drei genannten S\u00e4ulenbegriffe bereits kraftvoll auf und bilden den Ausgangspunkt der Publikationsgeschichte eines Verlages, der seinem eigenen Ma\u00dfstab \u00e4sthetischer und diskursiver Verantwortung stets treu geblieben ist und eine enorm wichtige Arbeit geleistet hat: Mit einem klaren Blick f\u00fcr die internationale Gegenwartsliteratur, mit aussagekr\u00e4ftigen Wiederentdeckungen von Autoren der literarischen Moderne, mit Werkausgaben von Luis de Camoes, Klabund, Arthur Machen und dem grandiosen Anthony Powell, oder mit den gesammelten Werken von Pierre de Ronsard, Anton Schnack und Marie Luise Weissmann, deren Titel <strong>Ich w\u00fcnschte zu sein, was mich entflammt<\/strong>, wie ein Motto f\u00fcr die gesamte Verlagsgeschichte gelten kann: Lieber Ingo Dr\u017ee\u010dnik, Ihnen und all Ihren Mitwirkenden ist es gelungen, zu realisieren, was Euch entflammt: ein Literaturverlag, der seit \u00fcber f\u00fcnfundzwanzig Jahren sorgf\u00e4ltig edierte und stets lesenswerte B\u00fccher publiziert! Ich gratuliere von Herzen zum Berliner Verlagspreis 2022!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck zur Startseite Laudatio auf den Elfenbein Verlag Von Christian Ruzicska, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2022 Nicht jeder Anfang beginnt mit dem Verkauf eines Autos, und nicht jede Reise nach Tschechien hat ihren Grund darin, eine g\u00fcnstige Druckerei finden zu wollen. 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