{"id":1935,"date":"2022-11-14T11:21:32","date_gmt":"2022-11-14T10:21:32","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1935"},"modified":"2022-11-15T09:34:55","modified_gmt":"2022-11-15T08:34:55","slug":"laudatio-ciconia-ciconia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=1935","title":{"rendered":"Laudatio Ciconia Ciconia"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><a href=\"http:\/\/www.berlinerverlagspreis.de#die-preistraeger\">\u2190 zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-1024x680.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1977\" srcset=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-300x199.jpeg 300w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-768x510.jpeg 768w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-1536x1020.jpeg 1536w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Berliner-Verlagspreis-2022-c-Schirin-Moaiyeri-20-2048x1360.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Claudia Gei\u00dfler (Berliner Zeitung) trug die Laudatio auf den Verlag Ciconia Ciconia vor \u00a9 Schirin Moaiyeri<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Verlag Ciconia Ciconia<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><em>Von Cornelia Gei\u00dfler, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreis 2022<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Nicht jede Reise ist geplant. Auch das 21. Jahrhundert zeigt, dass viele Menschen ihr Zuhause verlassen m\u00fcssen. Der Verlust an geistiger Freiheit, die Beschr\u00e4nkung der \u00f6ffentlichen Meinung, der Presse, des Verlagswesens zwingen sie fort. Krieg und Zerst\u00f6rung, Hunger und wirtschaftliche Misere treiben zu bewussten, oft notgedrungenen Entscheidungen. Wie einfach haben es da die Wei\u00dfst\u00f6rche, die sowieso ihrer Natur folgen, wenn sie dem Nest und der vertrauten Froschwiese entsteigen, um in anderen Gefilden zu klappern.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Dass der Kulturwechsel und Heimatverlust auch Sprachwechsel und Sprachverlust bedeuten, ist uns, die wir uns gl\u00fccklich in der Welt der B\u00fccher eingerichtet haben, schmerzlich bewusst. Der Wei\u00dfstorch, lateinisch: Ciconia Ciconia, gab einem Berliner Verlag den Namen, der im Sommer 2015 gegr\u00fcndet wurde, nicht aus dem Blauen heraus, nicht allein aus dem Sinn f\u00fcr das Gute und Sch\u00f6ne, was man hier durchaus in einiger Pracht entdecken kann, sondern zuerst als Reaktion auf die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Im August erschien in dem Verlag das zweisprachige Kriegstagebuch \u00bbDer Himmel \u00fcber Kyiv\u00ab des ukrainischen Malers Tibery Szilvashi. Wer h\u00e4tte bei Einf\u00fchrung dieser sch\u00f6nen Auszeichnung vor ein paar Jahren gedacht, dass die Preisverleihung einmal so unmittelbar an aktuelle politische Vorg\u00e4nge gekn\u00fcpft sein w\u00fcrde, an einen Krieg, der uns in Atem h\u00e4lt?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Und doch ist nicht Solidarit\u00e4t oder Parteinahme der Grund, dass wir nun den Ciconia Ciconia Verlag mit dem Berliner Verlagspreis ehren wollen, gegr\u00fcndet von dem Autor und Grafikdesigner Dmitri Dergatchev und dem Kunst- und Medienhistoriker Wladimir Velminski, der heute auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">F\u00fcr Ciconia Ciconia sprechen ein sichtlich durchdachtes Programm voller \u00dcberraschungen, das manch vertrauten Namen wie Viktor Jerofejew, Dmitri Prigow, Sascha Sokolow und Vladimir Sorokin enth\u00e4lt, aber doch vor allem B\u00fccher von hierzulande noch nicht etablierten Autorinnen und Autoren sowie K\u00fcnstlern hat. Sie leben und lebten in Russland, etwa in Moskau, St. Petersburg oder Kostroma, in Georgien, aber viele von ihnen inzwischen in Berlin oder Paris.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">Die B\u00fccher stehen f\u00fcr eine reiche und eigensinnige, oft widerst\u00e4ndige Kultur. Satire und Persiflagen auf die gegenw\u00e4rtige russische Realit\u00e4t finden sich da in Stilistik und Optik. Daneben hat das Erbe der Avantgarde der 20er- und 30er-Jahre seinen Platz, hervorgeholt aus den Archiven, zu Staunen verleitend. Politisch wirkt das Programm, weil es der offiziellen Linie der Russland-Verherrlichung zuwiderl\u00e4uft, \u00e4sthetisch ruft es danach, die Freiheit der Kunst zu feiern, mal minimalistisch, mal provokativ. Aus buchgestalterischer Sicht ist die Vielfalt der Handschriften, die individuelle Sorgfalt f\u00fcr jedes einzelne Buch, das meist in limitierter Auflage erscheint, f\u00fcr Hand und Auge geradezu berauschend. Sogar der Katalog macht richtig was her.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">\u00bbDer Verlag m\u00f6chte vor allem osteurop\u00e4ischen K\u00fcnstlern und Schriftstellern sowie ihren Narrativen die M\u00f6glichkeit zum Erscheinen geben\u00ab, hei\u00dft es auf der Homepage. Das ist ein wichtiges Anliegen, was denen hilft, die im Land ihrer Herkunft keine Publikationsm\u00f6glichkeiten mehr haben. Nicht wenige B\u00fccher erscheinen auch zweisprachig und k\u00f6nnten so die verlorenen Leser doch noch erreichen. Derzeit w\u00e4chst die Nachfrage von Autorinnen und Autoren aus der Ukraine, Belarus, Georgien und auch aus Russland, hier zu publizieren, teilte der Verleger in der Bewerbung um den Verlagspreis mit.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\">In der Roten Liste der Brutv\u00f6gel Deutschlands von 2020 wird der Wei\u00dfstorch auf der Vorwarnliste gef\u00fchrt. Nach Jahren des R\u00fcckgangs der Population gibt es nach Untersuchungen des NABU vor allem in den \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern wieder einen Anstieg. Der aber sei weniger aus dem eigenen Bestand begr\u00fcndet, sondern haupts\u00e4chlich ein Resultat von Zuwanderung aus Osteuropa. F\u00fcr die Buchwelt k\u00f6nnen wir sagen, dass die Zuwanderung in Gestalt von Ciconia Ciconia&nbsp;erfreulich, ja befruchtend ist. Und wir hoffen, die erstaunlichen B\u00fccher dieses Verlags mit der Preisverleihung noch mehr in den Buchhandlungen und der kritischen \u00d6ffentlichkeit anzusiedeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck zur Startseite Laudatio auf den Verlag Ciconia Ciconia Von Cornelia Gei\u00dfler, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreis 2022 Nicht jede Reise ist geplant. Auch das 21. Jahrhundert zeigt, dass viele Menschen ihr Zuhause verlassen m\u00fcssen. Der Verlust an geistiger Freiheit, die Beschr\u00e4nkung der \u00f6ffentlichen Meinung, der Presse, des Verlagswesens zwingen sie fort. Krieg [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1935","page","type-page","status-publish","hentry"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[]}},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1935"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1989,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1935\/revisions\/1989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}