{"id":2121,"date":"2023-11-04T14:20:01","date_gmt":"2023-11-04T13:20:01","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2121"},"modified":"2023-11-06T09:26:40","modified_gmt":"2023-11-06T08:26:40","slug":"laudatio-edition-tiamat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2121","title":{"rendered":"Laudatio Edition Tiamat"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><a href=\"http:\/\/www.berlinerverlagspreis.de#die-preistraeger\">\u2190 zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1708\" src=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-scaled.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2146\" srcset=\"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-300x200.jpeg 300w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-768x512.jpeg 768w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/verlagspreis_98-2048x1366.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption><em>Joe Chialo (Senator f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt), Klaus Bittermann (Edition Tiamat) und Franziska Giffey (Senatorin f\u00fcr Wirtschaft, Energie und Betriebe) \u00a9 Schirin Moaiyeri<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf die Edition Tiamat<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><em>Von Gesa Ufer, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2023<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbOhne Dissens, wenn alle sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, wird es sehr schnell \u00f6de\u00ab. Wer hat&#8217;s gesagt?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns sehr, heute einen Verlag mit dem Gro\u00dfen Berliner Verlagspreis auszeichnen zu d\u00fcrfen, der seit fast einem halben Jahrhundert dabei hilft, dass es nicht \u00f6de wird, der Debatten und das kulturelle Leben mitpr\u00e4gt, obwohl er doch streng genommen das Werk nur eines Einzelnen ist: die Edition Tiamat des Verlegers, Kolumnisten und Autors Klaus Bittermann.<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit einem kleinen Ausflug in die Geschichte: Als Kind \u2013 so hat er es selbst mal in einem Interview geschildert &#8211; war Klaus Bittermann Ministrant im fr\u00e4nkischen Kulmbach an der Seite von Thomas Gottschalk. \u00bbZum Gl\u00fcck\u00ab, ich zitiere wiederum den Preistr\u00e4ger selbst, h\u00e4tten ihn dann aber fr\u00fch Mitsch\u00fcler \u00bbvom rechten Weg abgebracht\u00ab und ihn mit den Schriften von Marx und Engels vertraut gemacht. Eine Begegnung mit Folgen: Nach einem Studium der Philosophie, Soziologie und Politologie gr\u00fcndet Bittermann 1979 im Alter von 27 Jahren in N\u00fcrnberg einen Verlag mit Gleichgesinnten. Die Gruppe trennt sich bald darauf wieder, aber Bittermann macht allein weiter. Seit 1981 ist die Edition Tiamat nun in einer Erdgeschosswohnung in Berlin-Kreuzberg beheimatet. Mit Klaus Bittermann als Verleger, Lektor, Sachbearbeiter und Presseagent in Personalunion.<br>Stehen anfangs noch wiederentdeckte Schriften von Anarchisten, Dadaisten, Surrealisten und den franz\u00f6sischen Situationisten im Fokus, verlagert sich der Schwerpunkt in den 80er Jahren mehr und mehr auf aktuelle Debatten. Scharfe, brillant geschriebene Texte erscheinen, die in ihrer Mischung auf den ersten Blick verwundern k\u00f6nnten, weil sie das klassische Links-Mitte-Rechts-Schema unterwandern. Zu Klassikern wie Guy Debord, Hannah Arend und Antonio Negri gesellen sich Essays, Sachb\u00fccher, Glossen und Satiren von Roger Willemsen, Hunter S. Thompson, Caroline Fourest oder Wiglaf Droste.<\/p>\n\n\n\n<p>So gro\u00df die Liebe zu eleganten, klugen und originellen Texten ist, so tief Klaus Bittermanns Abneigung gegen \u00bbSchaumsprache\u00ab und eine \u00bbGesinnung von der Stange\u00ab. Gerade dieser Aspekt macht deutlich, warum die Geschichte der Edition Tiamat \u00fcber Jahrzehnte eng mit dem Werk des 2018 verstorbenen Soziologen und Gesellschaftskritikers&nbsp;Wolfgang Pohrt&nbsp;verbunden ist. Der Autor hat die verschiedenen linken Bewegungen in Deutschland mit ebenso pointierter wie unvers\u00f6hnlicher Kritik begleitet und die verdr\u00e4ngten historischen Kontinuit\u00e4tslinien auch dieses Milieus schonungslos herausgearbeitet. Jeglichen Vereinnahmungsversuchen hat Wolfgang Pohrt sich konsequent entzogen, so wie auch Klaus Bittermann bis heute mit seinem Programm versucht, erwartbare Weltbilder zu umgehen und totalit\u00e4re Tendenzen von rechts wie von links zu entlarven.<br>Der Spa\u00df am unkonventionellen Denken paart sich bei Klaus Bittermann mit grandiosem Sinn f\u00fcr Humor und ungew\u00f6hnlichen gestalterischen Ideen: Die gerade fertig gestellte 11-b\u00e4ndige Wolfgang- Pohrt-Werkausgabe zum Beispiel sieht der ber\u00fchmten blauen Marx-Engels-Gesamtausgabe t\u00e4uschend \u00e4hnlich, und g\u00e4be es einen Preis f\u00fcr die originellsten Buchtitel, h\u00e4tte die Edition Tiamat l\u00e4ngst gewonnen: Ob \u00bbNomade im Speck\u00ab, \u00bbSorge Dich nicht, lese!\u00ab oder \u00bbWarum sachlich, wenn\u2019s auch pers\u00f6nlich geht\u00ab: Der Spa\u00df am Subversiven, an der Provokation und dem konstruktiven Spott geh\u00f6ren fest zum Verlagsprogramm, genauso wie profunde Auseinandersetzungen mit erstarkendem Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus, wie er gerade in diesen Tagen wieder traurige Aktualit\u00e4t erf\u00e4hrt.<br>Es sind Verlage wie die Edition Tiamat, die die literarische Landschaft Berlins vielf\u00e4ltig und kostbar machen. Und Verleger wie Klaus Bittermann, die mutige Entscheidungen treffen, die Grenzen verschieben, unbequeme Fragen stellen und die uns immer wieder aufs Neue \u00fcberraschen und herausfordern. Wir danken Ihnen f\u00fcr Ihre herausragende und unerm\u00fcdliche Arbeit, lieber Klaus Bittermann, herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Gro\u00dfen Berliner Verlagspreis! Auf die n\u00e4chsten 50 Jahre Edition Tiamat!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck zur Startseite Laudatio auf die Edition Tiamat Von Gesa Ufer, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2023 \u00bbOhne Dissens, wenn alle sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, wird es sehr schnell \u00f6de\u00ab. Wer hat&#8217;s gesagt? 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