{"id":2358,"date":"2024-11-05T11:02:02","date_gmt":"2024-11-05T10:02:02","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2358"},"modified":"2024-11-05T11:23:15","modified_gmt":"2024-11-05T10:23:15","slug":"laudatio-interkontinental-verlag-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2358","title":{"rendered":"Laudatio Voland &amp; Quist"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><a href=\"http:\/\/www.berlinerverlagspreis.de#die-preistraeger\">\u2190 zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Verlag Voland &amp; Quist<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><em>Von Philipp B\u00f6hm, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2024<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich ein Verlag nach dem leibhaften Teufel aus einem Klassiker der russischen Literatur sowie nach einem autodidaktischen Sprachgenie aus einem niederl\u00e4ndischen Achthundert-Seiten-Werk benennt, dann darf man einiges von ihm erwarten \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 aber eines definitiv nicht: Langeweile.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Gestalten hei\u00dfen Woland und Quist, ihre Erfinder hei\u00dfen Michail Bulgakow und Harry Mulisch; und dem Verlag, der ihnen seinen Namen verdankt \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 mittlerweile als VQ abgek\u00fcrzt \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 d\u00fcrfen wir heute mit gro\u00dfer Freude den Gro\u00dfen Berliner Verlagspreis verleihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegr\u00fcndet wurde Voland &amp; Quist 2004 von Leif Greinus und Sebastian Wolter in Dresden, seit 2020 operiert der Verlag vollst\u00e4ndig aus Berlin, Die Anf\u00e4nge sind stark mit der Leseb\u00fchnenszene verkn\u00fcpft, mit Veranstaltungsreihen wie der Reformb\u00fchne Heim &amp; Welt, den Surfpoeten, oder den Brauseboys. Viele ihrer Protagonistinnen haben ihre ersten B\u00fccher bei Voland&amp;Quist ver\u00f6ffentlicht und vielleicht ist es dieser Hintergrund, der den Verlag seine besondere Abneigung gegen klare Kategorisierungen hat bewahren lassen \u2013 das Bewusstsein daf\u00fcr, dass es nicht darauf ankommt, ob ein Text zuerst auf einer B\u00fchne oder zwischen zwei Buchdeckeln seine Rezipienten findet, wenn es denn ein guter Text ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn bis heute erscheinen in diesem Verlag B\u00fccher, die sich durch eine Freude am Spiel mit Formen auszeichnen, durch ein gro\u00dfes Vertrauen in die eigenen Gesetze des Textes. Ein Buch wie \u00bbIst hier das Jenseits, fragt Schwein\u00ab von Noemi Somalvinco, in dem zwei sprechende Tiere einen Apparat entwerfen, mit dem sie sich in Gottes Wohnzimmer beamen k\u00f6nnen, kann hier stellvertretend genannt werden f\u00fcr eine Sorte Buch, das mit viel Witz und sprachlichem Wagnis dann doch die ernsten Fragen des Lebens behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein verlegerisches Wagnis ist ein solches Buch in jedem Fall. Doch scheinen Wagnisse diesem Verlag nicht fremd zu sein, der in einem Jahr, in dem das Druckpapier teuer wie nie ist, einen \u00bbtotalen Roman\u00ab, wie es in der Verlagsvorschau hei\u00dft, von 744 Seiten herausgibt, eine \u00dcbersetzung noch dazu: Das Buch \u00bbEuropas Hunde\u00ab des belarussischen Autors Alhierd Bacharevic, das zugleich satirisch scharf und phantastisch fabulierend geschrieben ist und in der Heimat seines Autors mittlerweile verboten wurde. Ein Buch, das \u00fcbrigens gleich eine Sprache miterfindet. Und wenn es keine \u00bbtotalen Romane\u00ab sind, dann beweist Voland &amp; Quist mit Entdeckungen aus den gegenw\u00e4rtigen s\u00fcd- und osteurop\u00e4ischen Literaturszenen, mit Fu\u00dfballb\u00fcchern oder noch schwieriger: mit Lyrik immer wieder aufs Neue verlegerischen Mut und Vertrauen darin, dass auch B\u00fccher abseits der bekannten und erprobten Formen funktionieren. Das gro\u00dfe Echo, das zuletzt der Gedichtband \u00bbNachwasser\u00ab von Frieda Paris erfahren hat, d\u00fcrfte ihnen recht geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es passt gut, dass sich dieser Verlag zu seinem zwanzigsten Geburtstag nun die Urfassung von Bulgakows \u00bbMeister und Margarita\u00ab unter dem Titel \u00bbDer schwarze Magier\u00ab schenkt \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 das Buch, in dem Voland, einer der beiden Namensgeber des Verlags, das postrevolution\u00e4re Moskau in Chaos st\u00fcrzen l\u00e4sst. Etwas von diesem subversiven Geist, der Bulgakows Buch durchzieht, scheint aufs Sch\u00f6nste auch in den Vorschauen des nach ihm benannten Verlag durch, dessen B\u00fccher sich nicht gern einordnen lassen. Voland &amp; Quist erweist sich darin als ein unabh\u00e4ngiger Verlag in jeder Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles k\u00f6nnte man noch hervorheben, was diesen Verlag so besonders macht. Umso beachtlicher ist es, wenn man bedenkt, dass nur zehn Mitarbeiterinnen so viel Literatur in die Welt bringen: ein Kinder- und Jugendbuchprogramm, Comics, zahlreiche Erst\u00fcbersetzungen, das Imprint der ehemaligen Edition Azur f\u00fcr Gedichtb\u00e4nde und mittlerweile auch ein eigener Bereich f\u00fcr \u00dcbersetzungen ins Englische, in dem u.a. Texte von Mithu Sanyal, Lucy Fricke und Karosh Taha erschienen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jury ist \u00fcberzeugt: Voland &amp; Quist steht f\u00fcr literarische Stimmen, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit perfekt zueinander passen \u2013 und doch ist jede einzelne unverwechselbar. Der Verlag wagt Experimente, entdeckt neue literarische Welten und vertraut darauf, dass B\u00fccher nicht in die etablierten Muster des Publizierens und Pr\u00e4sentierens gepackt werden m\u00fcssen, um zu funktionieren. Und genau deshalb feiern wir in diesem Jahr nicht nur den zwanzigsten Geburtstag von Voland und Quist \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 wir gratulieren herzlich auch zum Gro\u00dfen Berliner Verlagspreis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck zur Startseite Laudatio auf den Verlag Voland &amp; Quist Von Philipp B\u00f6hm, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2024 Wenn sich ein Verlag nach dem leibhaften Teufel aus einem Klassiker der russischen Literatur sowie nach einem autodidaktischen Sprachgenie aus einem niederl\u00e4ndischen Achthundert-Seiten-Werk benennt, dann darf man einiges von ihm erwarten \u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u2013 aber eines [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-2358","page","type-page","status-publish","hentry"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[]}},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2358","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2358"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2358\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2382,"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2358\/revisions\/2382"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}