{"id":2359,"date":"2024-11-05T11:04:43","date_gmt":"2024-11-05T10:04:43","guid":{"rendered":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2359"},"modified":"2024-11-05T11:24:35","modified_gmt":"2024-11-05T10:24:35","slug":"laudatio-interkontinental-verlag-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berlinerverlagspreis.de\/?page_id=2359","title":{"rendered":"Laudatio Reprodukt"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><a href=\"http:\/\/www.berlinerverlagspreis.de#die-preistraeger\">\u2190 zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Laudatio auf den Reprodukt Verlag<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><em>Von Gesa Ufer, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2024<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als Dirk Rehm ein Kind war, da waren diese Hefte so verp\u00f6hnt, dass ein anderes Kind aus der Nachbarschaft seine Exemplare zuhause hinter den Fliesen der Badewanne verstecken musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie jetzt denken, oh, nein, jetzt werden hier Herrenmagazine ausgezeichnet: Nein\u2026es geht um Comics!<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe G\u00e4ste, es ist mir eine gro\u00dfe Freude und Ehre verk\u00fcnden zu d\u00fcrfen, dass einer der Berliner Verlagspreise an den Verlag Reprodukt und seinen Gr\u00fcnder Dirk Rehm geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie mich kurz auf die Anf\u00e4nge des Verlags erinnern: 1991, als die meisten hier in Berlin vielleicht gerade mal Donald Duck, Asterix oder die Digedags kannten, beschloss Dirk Rehm, einen eigenen Verlag zu gr\u00fcnden \u2013 einen Verlag, der Comics nicht als blo\u00dfe Unterhaltung, sondern als ernstzunehmende Literaturform begreift. Damals ein gewagter Schritt, denn Comics galten hierzulande vielfach noch immer als Schund f\u00fcr Kinder und\/oder Analphabeten. Auf die Frage, warum er diesen Schritt gemacht habe, hat Dirk Rehm mal in einem Interview die sehr plausible Antwort gegeben: \u00bbEs gab damals keinen Verlag in Deutschland, wie ich ihn h\u00e4tte haben wollen\u00ab. So kam Reprodukt in die Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs konzentrierte sich der Verlag auf den amerikanischen Underground, insbesondere die Alben der Serie \u00bbLove &amp; Rockets\u00ab, die zusammen mit der Schweizer Edition Moderne herausgegeben wurden. Aber es dauerte nicht lange, bis Reprodukt den Blick erweiterte und franz\u00f6sische und frankobelgische Comics ins Programm aufnahm \u2013 eine Tradition, die bis heute fortgef\u00fchrt wird. Mit den Jahren wurde Reprodukt zu einer Art Br\u00fccke zwischen internationalen Comicwelten und der deutschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt klassischer Superhelden-Comics konzentrierte Reprodukt sich dabei vor allem auf sogenannte \u00bbAutorencomics\u00ab, bei denen die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler selbst, ihre pers\u00f6nlichen Geschichten und Blickwinkel im Mittelpunkt stehen. Guy Delisle etwa, der uns in seinen Reiseaufzeichnungen in die entlegensten Winkel der Welt mitnimmt, oder Anke Feuchtenberger, die mit ihren grafischen Arbeiten zu einer der wichtigsten deutschen Comiczeichnerinnen geworden ist, sind Beispiele f\u00fcr dieses anspruchsvolle Programm.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der F\u00e4higkeit, internationale Gr\u00f6\u00dfen nach Deutschland zu bringen, hat es sich Reprodukt auch zur Aufgabe gemacht, die deutschsprachige Comicszene selbst aufzubauen und zu f\u00f6rdern. Schon Mitte der 90er begann der Verlag, deutsche Zeichnerinnen und Zeichner zu verlegen, die zuvor nur in kleiner Auflage oder als Fanzines erschienen waren. Namen wie Mawil, Barbara Yelin, Sascha Hommer, Aisha Franz oder Arne Bellstorf haben durch Reprodukt ein breites Publikum gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Mawils \u00bbKinderland\u00ab sei unbedingt noch genannt \u2013 ein Comic, der sich in den ersten Monaten nach seiner Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber 10.000 Mal verkauft hat und heute zu recht zu DEN deutschen Comic-Klassikern geh\u00f6rt. Eine Geschichte \u00fcber das Leben in der DDR, die in einer Form erz\u00e4hlt wird, die Literatur und bildende Kunst in einzigartiger Weise vereint, und das Unaussprechliche sichtbar werden l\u00e4sst, wie es eben nur Comics k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Kindercomic, ebenfalls lange Zeit ein Stiefkind der Literatur, erf\u00e4hrt durch Reprodukt eine besondere Wertsch\u00e4tzung. Eine gro\u00dfartige eigene Kinder-Comic-Reihe und aber auch Veranstaltungen wie der Kindercomic-Tag hier in Berlin sind Beispiele daf\u00fcr, wie der Verlag es schafft, Comics in die H\u00e4nde von jungen Leserinnen und Lesern zu bringen. Denn Comics, das hat sich l\u00e4ngst in der Lesef\u00f6rderung herumgesprochen, sind nicht nur ein Einstieg in die Welt der B\u00fccher, sie sind ein Bindeglied zwischen der Fantasie und der Realit\u00e4t, zwischen Bild und Text. Sie f\u00f6rdern die Kreativit\u00e4t und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr komplexe Geschichten \u2013 und sie machen einfach Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt bleiben sollen die wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Gewinnmargen in der Comicszene sind deutlich kleiner als in der Belletristik, und die Produktionskosten von aufw\u00e4ndig gestalteten Comicb\u00e4nden oft hoch. Qualit\u00e4t, k\u00fcnstlerische Freiheit und der Glaube an die Kraft des Comics stehen f\u00fcr Dirk Rehm und sein Team trotzdem immer an erster Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzum: Der Reprodukt Verlag ist schon lange eine echte Institution, weit \u00fcber die Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus. Dirk Rehm und sein Team haben mit viel Leidenschaft, Beharrlichkeit und Mut ein einzigartiges Werk geschaffen, das uns neue Welten er\u00f6ffnet und neue M\u00f6glichkeiten des Erz\u00e4hlens.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Dirk Rehm, lieber Reprodukt Verlag \u2013 ich gratuliere euch von Herzen zu diesem Preis. Und wir danken Dir und Euch gleichzeitig f\u00fcr Eurer Engagement und f\u00fcr all die gro\u00dfartigen B\u00fcchern.<br>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Berliner Verlagspreis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2190 zur\u00fcck zur Startseite Laudatio auf den Reprodukt Verlag Von Gesa Ufer, Mitglied der Jury des Berliner Verlagspreises 2024 Als Dirk Rehm ein Kind war, da waren diese Hefte so verp\u00f6hnt, dass ein anderes Kind aus der Nachbarschaft seine Exemplare zuhause hinter den Fliesen der Badewanne verstecken musste. 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